Viruskrankheiten der Katze
Katzen sind ziemlich anfällig für Infektionskrankheiten, insbesondere Viruserkrankungen. Das mag mit daran liegen, dass Katzen von Natur aus Einzelgänger sind und, anders als Rudeltiere, weniger daran gewöhnt sind, auf engem Raum und in engem Kontakt mit Artgenossen zu leben. Überall dort, wo viele Katzen auf engem Raum leben müssen, ist die Gefahr groß, daß sich bestimmte Viren ausbreiten und auch hartnäckig in der Population halten. Dies gilt für Tierheime ebenso wie für Katzenzuchten, aber auch private Mehrkatzenhaltungen und sogar wilde/halbwilde Katzenpopulationen, die „notgedrungen“ an Futterstellen zusammenkommen, können betroffen sein.
Neben „harmloseren“ Erkrankungen, die den Atmungsapparat und/oder den Magen-Darm-Trakt befallen und ohne schwere Symptome wieder abheilen, gibt es bei Katzen eine ganze Reihe von lebensgefährlichen bis tödlichen Erkrankungen, die alle auch auf Ibiza vorkommen.
Katzenseuche (Feline Parvovirose, Panleukopenie)
Die erkrankten Tiere leiden an massivem blutigem Durchfall, oft kommt auch noch Erbrechen hinzu. Der Körper trocknet schnell aus, da die Verluste nicht mehr ausgeglichen werden können. Selbst bei früh einsetzender intensiver Behandlung, die vor allem in massiver Flüssigkeitszufuhr und der Verabreichung von Immunserum besteht, sind die Überlebenschancen nur gering. Meist sind junge, ungeimpfte oder noch nicht vollständig geimpfte Tiere betroffen. Die Krankheit ist für andere Katzen hoch ansteckend – Gegenstände, mit denen ein erkranktes Tier Kontakt hatte (Futternäpfchen, Decken etc.), sollten am besten weggeworfen werden. Es existiert eine Impfung, die normalerweise ab der 8. Lebenswoche gegeben werden kann. Nach vier Wochen und später einmal pro Jahr muss diese Impfung wiederholt werden.
Katzenschnupfen
Die Symptome bestehen aus Nasen- und Augenausfluss, der schleimig bis eitrig sein kann. Durch den zähen Ausfluss verkleben mitunter die Lidspalten, so dass die Tiere die Augen nicht mehr öffnen können. Röchelndes Atmen und Niesen wird ebenfalls durch die starke Schleimbildung ausgelöst.
Eigentlich handelt es sich bei dieser Erkrankung um einen Komplex, d.h., es sind verschiedene Erreger, vor allem Viren, aber auch Bakterien an seiner Entstehung beteiligt. Auch hier sind wieder meist ungeimpfte Kätzchen betroffen. Da eine Vielzahl von Erregern, die sich von Gegend zu Gegend und Jahr zu Jahr ändern können, zu den Katzenschnupfen-Symptomen führen können, können auch geimpfte Tiere erkranken, hier verläuft die Erkrankung aber in der Regel wesentlich milder und umkomplizierter. Bei rechtzeitiger Behandlung und guter Krankenpflege sind die Heilungschancen sehr gut. Die Therapie umfasst Reinigung und Pflege der entzündeten Schleimhäute, außerdem muss auf die regelmäßige Futteraufnahme – notfalls per Zwangsernährung – geachtet werden. Immunserum und Antibiotika werden zusätzlich verabreicht.
In der Regel wird die Impfung gegen den Katzenschnupfen zusammen mit der Katzenseuche-Impfung verabreicht.
Feline Infektiöse Peritonitis (FIP)
Auch wenn sich zahlreiche Studien mit dieser Erkrankung beschäftigen, so gibt es doch immer noch keine vollständige Klarheit über die Entstehung. Man weiß, dass die FIP-Viren durch Veränderungen (Mutationen) harmloserer Darmviren, der sogenannten Coronaviren, entstehen. Haben diese Mutanten über die Blutbahn erst einmal Eintritt in den Körper der Katze gefunden, können sie in vielen Organen schwere Schäden anrichten und unter anderem zu der gefürchteten FIP-Bauchwassersucht führen, bei der sich die Bauchhöhle der erkrankten Katze mit einer gelblichen Flüssigkeit füllt. Auch die Brusthöhle kann sich mit dieser Flüssigkeit füllen, was dann zu einer hochgradigen Atemnot führt. Die Krankheit ist nicht heilbar und auch die Impfung bietet nur begrenzten Schutz. Da manche Katzenzuchten Bestandsprobleme mit FIP haben, sollten Sie bei dem Kauf einer Rassekatze darauf achten, dass die Elterntiere und auch die anderen Katzen im Bestand gesund und nach Möglichkeit auch negativ getestet und geimpft sind.
Leukose (Felines Leukämievirus, FeLV)
Die Virus-Leukose ist eine äußerst vielgestaltige Krankheit, die sich nicht durch ein typisches Symptom auszeichnet. Meist wird das Immunsystem der erkrankten Katzen geschwächt, so dass sie an einer Vielzahl von zusätzlichen Infektionen erkranken können. Wunde Ballen, die nicht abheilen und eine chronisch entzündete Maulschleimhaut und Zunge können auf eine Leukose-Infektion hinweisen. Einen recht guten Schutz bietet die Impfung, der im Idealfall ein Leukosetest vorausgehen sollte. Virusträger, die unter Behandlung in einem stabilen Zustand sind, sollten eigentlich keinen Kontakt zu anderen Katzen bekommen, um Ansteckungen zu vermeiden. Dies ist naturgemäß auf Ibiza schwierig zu praktizieren, da hier eine Katze (außer, Sie leben in einer Etagenwohnung) kaum eingesperrt werden kann.
Auf jeden Fall sollten leukose-positive Tiere, die gesundheitlich stabil sind, kastriert werden, um den Kontakt durch Beißereien und natürlich den Deckakt, zu minimieren.
Die Impfung wird, je nach Hersteller, ab der 9. Lebenswoche gegeben, nach ca. 3 Wochen und danach einmal jährlich aufgefrischt.
Felines Immunschwächevirus (FIV, „Katzen-Aids“)
Auch dieses Virus schwächt das Immunsystem der Katze, so dass bei chronischen Entzündungen immer neben an Leukose auch an eine FIV-Infektion gedacht werden sollte. Manchmal liegen sogar beide Infektionen gleichzeitig vor. Katzen, die Virusträger sind, können mit guter Pflege und entsprechender Behandlung noch eine ganze Zeit glücklich leben, sollten aber nach Möglichkeit, keinen Kontakt zu anderen Katzen mehr haben, um eine Weitergabe des Virus zu vermeiden (siehe Leukose).
Gegen Katzen-Aids gibt es keine Impfung!
Katzen-Aids ist nicht auf Menschen übertragbar, das Virus wird ausschließlich von Katze zu Katze weitergegeben.
In letzter Zeit kommt bei verschiedenen Viruskrankheiten der Katze vermehrt ein Medikament zum Einsatz, das in der Humanmedizin z.B. bei der Behandlung von Hepatitis C bereits erfolgreich angewandt wird: Interferon. Bisher offiziell nur für Hunde zugelassen, wird es von vielen Tierärzten auch bei bisher „therapieresistenten“ Katzen eingesetzt – mit teilweise recht guten Erfolgen. Interferon wird von Katzen sehr gut vertragen und in der Regel in fünf Sitzungen mit je eintägigem Abstand gespritzt. Der einzige Nachteil: es ist sehr teuer, so daß sich, zumindest in näherer Zukunft, nicht jeder Katzenbesitzer diese Therapie leisten kann.
Copyright : Dr. Anna Laukner