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Endlich daheim
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Kaum sind die Augen zugefallen und schon ist der Dienstag da. Heute steht Agnes ein besonders stressiger Tag bevor, denn am Dienstag ist Katzenkastrationstag. Aus allen Ecken der Insel werden freilebende Katzen eingefangen, kastriert, markiert und wieder zurückgesetzt.

 Manchmal können die Tiere jedoch nicht zurück zu ihrem alten Platz, da ihnen dort von Menschen, die sich belästigt fühlen, mit Vergiftung oder Tod durch erschlagen gedroht wird. Dann wird es natürlich schwierig und für diese Tiere muß ein Zuhause, ein Gnadenplatz, oder ein Platz an einer der Futterstellen gefunden werden. Nachdem Agnes ihre tägliche Morgenroutine erledigt hat, heute etwas schneller als sonst, geht es los. Bewaffnet mit Katzenfallen und Umsetzkörben fährt sie in die Cala Llonga zu ihrem ersten Futterplatz .Vor Tagen war hier eine neue Katze aufgetaucht, hochträchtig und wunderschön. Eigentlich wollte Agnes sie schon gestern einfangen, damit sie nüchtern zur OP gebracht werden kann, doch ausgerechnet gestern tauchte sie nicht auf. Siebter Katzensinn? Oder vielleicht sind die Babys schon geboren? Agnes steigt aus und ihre Zöglinge, von denen die meisten schon ihr Auto erkennen, kommen aus allen Richtungen mit hochgestelltem Schwanz und im Stechschritt angelaufen. Ha, und auch die Silberne ist da. Jetzt will Agnes erst mal die Falle präparieren und versuchen das trächtige Tier hineinzulocken... doch das ist gar nicht nötig. Die Katze kommt von selbst auf Agnes zu und streicht ihr um die Beine. Sie ist zahm und hat bis vor kurzem sicherlich noch in einem Haushalt gelebt. Agnes  steckt sie nun in den Zwangskorb und stellt sie schon mal ins Auto, damit sie nicht zusehen muß wie die anderen fressen. Dann füttert sie den Rest der Gruppe und weiter geht’s zum nächsten Probanten. Hier muß sie einen großen Kater abholen, der bisher in der Siedlung mit anderen Katzen zusammen gefüttert wurde. Die Betreuer der Gruppe wollen ihn dort nicht mehr haben, weil er überall markiert und es nach Kater riecht. Er soll jetzt nach Deutschland vermittelt werden. Das sei besser für alle... sagen die Damen vom Futterplatz. Agnes ist sauer, es scheint ein älteres Tier zu sein und ehrlich gesagt trägt er eine Kampfkateraura um sich, die sich vielleicht ja nicht nur auf seine Artgenossen auswirkt. Nein, nein er sei so ganz lieb ...sagen sie. Und auf geht’s in  die Klinik. Hier ist schon die Hölle los und es duftet richtig gut nach Katze. In der Klinik wurde heutemorgen schon eine Unfallkatze abgegeben, deren Oberschenkel gebrochen ist. Agnes nimmt den kleinen roten Kater mit nach Hause .Leider muß er in einem Einzelkäfig sitzen, damit er sich ersteinmal ein paar Tage nicht bewegt. Traurig schaut „Goldi“ durch die Gitterstäbe. Gott sei Dank hat heute Jaap, ihr Mann die Versorgung der anderen Futterplätze übernommen, doch gerade als sie die Flaschenbabys versorgt hat, fährt ein Auto mit Touristen vor. Sie haben einen ganzen Wurf kleiner Katzen in einem Karton in der Mülltonne gefunden.Die kleinen haben gerade die Augen auf. Agnes nimmt die Tiere kommentarlos auf. Sie hat längst aufgehört sich über die Grausamkeit von Menschen aufzuregen und hilft einfach den Wesen, die Hilfe benötigen. Dafür braucht sie ihre Energie!


Doch egal was Agnes heute tut, sie muß immer wieder an die trächtige Katze denken, die heute ihre Babys verliert. Wir wissen alle, das es schön wäre diesen Weg nicht gehen zu müssen, doch wir haben hier auf dieser Insel keine andere Chance als eine strikte Geburtenkontrolle durchzuführen. Das weiß Agnes auch, doch es tut ihr immer wieder leid, sie  hat schließlich selbst  fünf  Kinder. Trächtige Katzen bleiben meistens noch 48 h unter Aufsicht, bevor sie wieder zurückgesetzt werden. Doch irgendwie hat Agnes im Fall des silbernen Siammischlings mit den blauen Augen keine Ruhe. Sie soll nicht in der Anonymität und im Käfig in der Klinik aufwachen. Also fährt sie nochmals los und holt das frisch operierte Tier zu sich ins Katzenhaus. Hier bereitet sie ihr ein weiches Krankenlager und nennt sie Rosalia. Damit ist eigentlich beschlossen, dass Rosalia bleibt... und nicht zum Futterplatz zurück muß. Diese Katze soll eine neue Familie bekommen. Den Kampfkater hat sie auch direkt mitgenommen. Er ist kastriert worden und hatte einen dicken Abszess am Kopf. Mal sehen wie es mit diesem zähen Burschen weitergeht.
Langsam wird es dunkel und heute gibt’s mal einen schönen Rotwein zum Abendessen. Bald schlummern alle tief . Rosalie im Körbchen, der Kampfkater noch im Käfig, Goldie (der Beinbruch in seiner Einzelhaft, die neuen Babys in einer Schlafhöhle und Agnes in ihrem Bett. Nun muß sie nicht von einer einsamen Rosalie in der kalten Tierarztpraxis träumen.


...und morgen geht es weiter. 

 
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